Stadt Willich

Stadtteil Schiefbahn

& Unterbruch, Niederheide

Windräder am Unterbruch
Windräder am Unterbruch

Inhalt

  • Ortsmitte
  • Katholische Kirche St. Hubertus
  • Ev.Hoffnungskirche / Synagoge
  • Matthias-Kapelle
  • Kurt-Schumacher Park
  • Exkurs: Der Gänsejunge
  • Feuerwache
  • St. Bernhard Gymnasium
  • Honschaft Unterbruch & Fernmeldeturm
  • Honschaft Niederheide
  • Exkurs: Schienenverkehr

Ortsmitte

Der Ortsteil Schiefbahn bzw. der heutige Teil Unterbroich wurde erstmalig im 14. Jahrhundert vom Vogt von Neersen erwähnt und lag damals noch an einem versumpften Altarm des Rheins, dem heutigen Schiefbahner Bruch. Erst um 1430 herum bildete sich der Name Schiefbahn heraus, der sich auf einen im Ort befindlichen Schießstand (Schiev - die Scheibe) bezog und es wurde eine Kapelle, die dem heiligen St. Hubertus gewidmet war, erbaut. Um 1558 wurde Schiefbahn eine eigenständige - aber von Anrath abhängige - Pfarre, was erst ab Ende des 17 Jahrhunderts zu einer kirchlichen Selbstständigkeit führte. Somit war dieser Ortsteil bis dahin geprägt vom nahen Neersen (weltliche Gewalt) und der kirchlichen Gewalt in Anrath.

Blick auf die Hochstraße mit der katholischen Kirche St. Hubertus
Blick auf die Hochstraße mit der katholischen Kirche St. Hubertus

Das anschließende, rasante Wachstum der Gemeinde war auf die gute Verkehrsanbindung bis nach Holland, der Maas und dem Rhein sowie dem florierenden Handel von z.B. Geflügel und Flachs zurückzuführen. Um 1800 während der französische Besatzungszeit wurde der Nordkanal gebaut. Seine angedachte Bedeutung oder überhaupt die vollständige Fertigstellung hat dieser nie erreicht, wurde jedoch bis 1850 zumindestens bis Schiefbahn und Neersen noch genutzt. Politisch folgte später auch für Schiefbahn der Anschluss an Preußen. Im Rahmen der kommunalen Neugliederung wurde 1970 auch Schiefbahn mit aktuell rund 12.000 Einwohnern in die Stadt Willich eingegliedert. 

"Dorfgespräch", Skulptur von Loni Kreuder
"Dorfgespräch", Skulptur von Loni Kreuder
"Dorfgespräch", Skulptur von Loni Kreuder
"Dorfgespräch", Skulptur von Loni Kreuder

 In der Ortsmitte befindet sich die Einkaufsstraße Hochstraße und das davor befindlichen Kunstwerk "Stadtgespräch".

Katholische Pfarrkirche St. Hubertus

Die Ortsmitte wird wesentlich geprägt von der 1853-1855 erbauten Pfarrkirche St.Hubertus. Somit ist die Schiefbahner Kirche geringfügig älter als die von Anrath und Willich, die einen ähnlichen Baustil und -beginn hatten. 

Kirche St.Hubertus in Schiefbahn
Kirche St.Hubertus in Schiefbahn

Vorläufer der Kirche waren die anfangs beschriebene Kapelle von ca. 1458. Rund 100 Jahre später wurde die kleine Gemeinde zur Pfarre erhoben und kurz danach eine nicht mehr erhaltene Wallfahrtskirche erbaut.

Blick auf die Pfarrkirche St. Hubertus in Schiefbahn vom kleinen Busbahnhof
Blick auf die Pfarrkirche St. Hubertus in Schiefbahn vom kleinen Busbahnhof
Kirchturmspitze von St.Hubertus
Kirchturmspitze von St.Hubertus
Wegekreuz vor der Kirche
Wegekreuz vor der Kirche
Brunnen vor der Kirche
Brunnen vor der Kirche

Evangelische Hoffnungskirche

Evangelische Hoffnungskirche in Schiefbahn
Evangelische Hoffnungskirche in Schiefbahn

In Schiefbahn gab es wie auch in den anderen, katholisch geprägten Ortsteilen anfangs keine oder nur wenige Protestanten. Nach dem zweiten Weltkrieg zogen jedoch immer mehr evangelische Flüchtlinge aus den ehemals deutschen Ostgebieten in die Orte (siehe auch Anrath / Bau der Justizvollzugsanstalt). 

So gründete sich 1951 eine eigene Gemeinde im Ort, die 1957 auch eine erste, einfache Kirche erbaute. Diese sollte bis in die 90er Jahre Bestand haben und wurde in den 80er Jahren in "Hoffnungskirche" umbenannt.

1994 wurde die heute existierende Kirche erbaut und 1995 eingeweiht als Teil der Emmaus-Kirchengemeinde Willich.

Jüdische Gemeinde

Gedenkstein für die ehemalige Synagoge in Schiefbahn
Gedenkstein für die ehemalige Synagoge in Schiefbahn

Bereits vor der ersten evangelischen Kirche im Ort wurde von der jüdischen Gemeinde ab 1858 ein Bethaus genutzt. Um 1890 wurde dieses Gebäude bereits zu klein und die Kirchenmitglieder erbauten eine Synagoge an der Straße "Am Tömp".

In der Reichskristallnacht 1938 wurde die Synagoge - wie so viele Gebäude im Land - angezündet und dadurch vollständig zerstört. 

Seit 2012 erinnern Stolpersteine auf den Wegen an die ehemaligen jüdischen Bewohner in den Ortsteilen. In Schiefbahn z.B. auf der Schulstraße, Linsellesstraße und Königsheide.


Matthias-Kapelle Unterbruch

Matthias-Kapelle, Schiefbahn Unterbruch
Matthias-Kapelle, Schiefbahn Unterbruch

Die Matthias Kapelle wurde um 1870 auf private Initiative erbaut und sollte an eine Wallfahrt nach Trier erinnern. Daher befindet sich in der Kapelle der Patron von Trier, der heilige Matthias.


Kurt-Schumacher-Park

Baumallee im Kurt-Schumacher-Park in Schiefbahn
Baumallee im Kurt-Schumacher-Park in Schiefbahn

Benannt nach dem großen Politiker der Nachkriegspolitik und damals größten Konkurrenten von Konrad Adenauer, dem SPD-Politiker Kurt Schumacher wurde in Schiefbahn ein Park angelegt. Imposant ist die große Baumallee in der Mitte. Seit 2001 befindet sich auf dem ehemaligen Standort eines Pavillons ein Bouleplatz für die Schiefbahner Boule- und Pétanque-Freunde und ein rund 350qm großer Spielplatz .

Wegkreuz vor dem Park auf der Hochstraße
Wegkreuz vor dem Park auf der Hochstraße
Brunnen vor dem Park auf der Hochstraße
Brunnen vor dem Park auf der Hochstraße

Exkurs: Der Gänsejunge und die Landwirtschaft

Landwirtschaftliche Bezüge sind überall zu finden
Landwirtschaftliche Bezüge sind überall zu finden
Gänsejungen-Brunnen
Gänsejungen-Brunnen

Im Mittelalter spielte neben der Flachsproduktion u.a. die Geflügel- und Gänsezucht eine große Rolle. Die Ware wurde damals zuerst über den bereits oben erwähnten Rheinarm, später über eine bedeutende Handelsstraße, die über Neuss nach Venlo führte und zuletzt auch über den fertig gestellten Teil des Nordkanals transportiert. Damals zählte Schiefbahn bereits 1.500 Einwohner. Die wirtschaftliche Bedeutung kann man noch an verschiedenen Stellen im Stadtbild sehen, so daß der "Gänsejunge" quasi ein Wahrzeichen von Schiefbahn wurde.

In den 1800er Jahren verlor die Landwirtschaft etwas an Bedeutung und die Industrialisierung setzte langsam ein. In Schiefbahn entstanden zuerst Hauswebereien und später um ca. 1900 auch eine große Seidenweberei mit dem damals größten Websaal im deutschen Reich. 


Feuerwache Schiefbahn

Exemplarisch für die fünf freiwilligen Feuerwehren im Stadtgebiet ist hier die Feuerwache in Schiefbahn abgebildet. Diese stellen durch eine Vielzahl an Freiwilligen den Brandschutz in den Ortsteilen sicher.  Ansonsten wäre aufgrund der Bevölkerungszahl eine Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften erforderlich, wenn nicht die Bezirksregierung in Düsseldorf eine entsprechende Ausnahmegenehmigung erteilt. Sie wird immer dann  erteilt, wenn der Feuerschutz mit rein freiwilligen Kräften sichergestellt werden kann. Für die Stadt Willich gibt es eine solche Genehmigung. Alle 3 Jahre findet eine Überprüfung der Leistungsfähigkeit der Feuerwehr Willich statt.

Feuerwache der Freiwilligen Feuerwehr Willich, Löschzug Schiefbahn
Feuerwache der Freiwilligen Feuerwehr Willich, Löschzug Schiefbahn

St. Bernhard Gymnasium

Kapelle des Gymnasiums
Kapelle des Gymnasiums

Das größte Gymnasium in der Stadt Willich, das St. Bernhard-Gymnasium wurde früher von dem Orden der Hünfelder Oblaten betreut und steht seit 2008 unter Führung der Malteser-Werke.

Honschaft Unterbruch

Wegekreuz was an die Zugehörigkeit zu Liedberg erinnert
Wegekreuz was an die Zugehörigkeit zu Liedberg erinnert

Einige Zeit vor der ersten Nennung von Schiefbahn wurde bereits die östlich gelegene Honschaft Unterbruch in einer Urkunde erwähnt. Im Jahr 1300 wurden darin Abgaben an den Vogt in Neersen abgeführt. Damals gehörte der Unterbruch noch zum Verwaltungsbezirk Liedberg

Als 1798 im Rahmen der französischen Besetzung auch die Verwaltung neu gegliedert wurde, wurde der Unterbruch, der zu dieser Zeit teilweise zu Oedt gehörte,  mit Schiefbahn zusammengelegt.

Heute befindet sich hier ein kleines Wohngebiet, einige landwirtschaftliche Flächen und Betriebe und natürlich der Fernmeldeturm.


Der Fernmeldeturm

Mit 123 Meter ist dieser das höchste Gebäude der Stadt Willich. Umgangssprachlich wird der Fernmeldeturm einfach nur "Fernsehturm" oder "Langer Lulatsch" genannt und hat nur noch eine telekommunikations-technisch geringe Bedeutung.

Die Spitze mit der Übertragungstechnik
Die Spitze mit der Übertragungstechnik

Honschaft Niederheide

Blick von einem Feld bei Niederheide auf den Fernsehturm
Blick von einem Feld bei Niederheide auf den Fernsehturm

Zwischen Neersen und Schiefbahn liegt die kleine Hohnschaft Niederheide. Dieses ländliche Gebiet mit wenig Wohnbebauung ist geprägt von großen landwirtschaftlichen Betrieben, die auch überregional für u.a. Gemüse und Rollrasen bekannt sind. So kommen viele Möhren in Deutschland und auch der Spielfeldrasen in einigen europäischen Fußballarenen aus Schiefbahn-Niederheide.

Niederheider Hof
Niederheider Hof
Fatima-Kapelle in Niederheide
Fatima-Kapelle in Niederheide

Kultureller Mittelpunkt der Honschaft ist der Niederrheider Hof als Vereinslokal der St. Johannes Bruderschaft Niederheide 1924 e.V. mit dem angrenzenden Schützenplatz. Das Gaststättengebäude wurde von den Schützen sowie den Angelsportverein Schiefbahn in Eigenleistung erbaut und 1979 feierlich eröffnet. Über 250 Personen haben daran mitgeholfen.

Direkt angrenzend an den Niederheider Hof und gut sichtbar an der Landstraße gelegen befindet sich die Fatima-Kapelle mit einer  Marienstatue. Fatima ist ein Wallfahrtsort in Portugal.

Gestiftet wurde die 1980 erbaute Kapelle im Rahmen der Bauarbeiten am Niederheider Hof von den Schützen und sollte ein Versprechen einlösen, daß wenn die Bauarbeiten am Niederheider Hof  unfalllos verlaufen, die Kapelle gebaut wird.

Zu Ehren des Initiators der Baumassnahmen und wohl auch in Wertschätzung als wichtiger Arbeitgeber vor Ort wurde hinter dem Niederheider Hof der Hans Brocker Platz als Schützen- und Festzeltplatz angelegt.


Hans Brocker Platz
Hans Brocker Platz
Hans Brocker Platz
Hans Brocker Platz

Exkurs: (Schienen-)verkehr

Unweit der Ortsmitte von Schiefbahn wurde am Nordkanal der Schiefbahner "Haupt"-Bahnhof errichtet. Nur wenige Jahre später folgte der Bahnhof in Niederheide als Haltepunkt Schiefbahn-Nord für die dortige Seidenweberei. Somit gab es zwei Eisenbahnstrecken und bis in die 1950er-Jahre ergänzend auch noch zwei Straßenbahnlinien die alle zusammen die angrenzenden Großstädte Mönchengladbach und Krefeld als Ziel hatten. In den 1980er-Jahren endete auch der Eisenbahnverkehr (vorläufig) in Schiefbahn. Vor einigen Jahren wurde die Bahnstrecke an der Niederheide in den Alleenradweg umgewandelt. Aktuelle Planungen sehen nun wieder eine Reaktivierung der Strecke für die RegioBahn bis nach Viersen oder Venlo vor.

Alte Lokomotive an der ehemaligen Bahnstrecke bei Niederheide
Alte Lokomotive an der ehemaligen Bahnstrecke bei Niederheide
Der ehemalige Schiefbahner Nord Bf in Niederheide
Der ehemalige Schiefbahner Nord Bf in Niederheide

S. Lucas Fotografie

Das Niederrhein-Album

Sascha Lucas

Tel. 0151 52444440

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