Stadt Willich

Stadtteil Alt-Willich

sowie Münchheide, Stahlwerk Becker

Willicher Markt
Willicher Markt


Der für die Stadt namensgebende Stadtteil Willich ist auch der älteste der vier Stadtteile. Um 800 befand sich hier bereits eine Kirche und 1137 wurde der Ortsteil erstmalig urkundlich als "Wylike" erwähnt. 

Zu Willich gehört historisch die Hohnschaften Münchheide (mittlerweile fast nur noch reines Gewerbegebiet), Hardt, Willicher Heide und Dickerheide und das 1994 als großes Wohngebiet erschlossenes Wekeln. Alt-Willich mit Wekeln hat rund 22.000 Einwohner und ist damit auch der größte Stadtteil.

Der Ortskern von Alt-Willich

Beginnen wir den Rundgang durch Alt-Willich, vorbei am Marktplatz, Kirche und Brauereipassage bis zum Kaiserplatz.

Der Bücherschrank

Der offene Bücherschrank auf der Peterstraße in Willich
Der offene Bücherschrank auf der Peterstraße in Willich

Seit Juni 2015 ist er 365 Tage rund um die Uhr geöffnet: der Bücherschrank in Willich auf der Peterstraße. Kostenfrei können hier ca. Einhundert Bücher geliehen, geschmöckert und natürlich auch hinzugefügt werden.

 Die in anderen Städten (z.B. In Viersen in der Nähe der Festhalle) bereits oft zu findende Idee wurde hier vom Werbering Willich umgesetzt und eine alte, gelbe Telefonzelle dafür liebevoll hergerichtet.

Inhalt des Bücherschranks
Inhalt des Bücherschranks

Katholische Kirche St.Katharina

Kirche St.Katharina
Kirche St.Katharina

Evangelische Auferstehungskirche

Evangelische Kirche
Evangelische Kirche

Im eher katholischen Rheinland entstand erst spät im Jahre 1931 eine evangelische Kirche in Willich: die jetzige Emmaus-Gemeinde. 

 

Durch die vielen Neuzugezogenen, insbesondere angeworbene Arbeiter für das Stahlwerk Becker, wuchs die Gemeinde schnell und so wurde in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Kirche neu erbaut. Die Architektur ist typisch für die damalige Zeit und eher schlicht gehalten.


Der neue Kaiserplatz

Kaiserplatz Willich nach dem Umbau 2016
Kaiserplatz Willich nach dem Umbau 2016

Im April 2016 wurde der umgestaltete Kaiserplatz, der ehemalige Markt in Willich, fertiggestellt. Ende des 19. Jahrhunderts und kurz vor Baubeginn der Kirche St.Katharina wurde der bisherige Markt verlegt und hier das neue Rathaus und später auch die Feuerwehr und Polizei der Gemeinde erbaut.  

Rathaus Willich / Kaiserplatz 2014
Rathaus Willich / Kaiserplatz 2014
Rathaus Willich / Kaiserplatz April 2016
Rathaus Willich / Kaiserplatz April 2016

Ab 1960 wurde zwar noch einmal in die Infrastruktur investiert (u.a. eine Kanalisation angelegt und die Autoparkflächen ausgebaut), aber es zeigte sich bereits, daß die Gebäude und Lage für die wachsende Stadt ungeeigneter wurden und immer mehr öffentliche Funktionen wurden an andere Liegenschaften abgegeben. 2001 wechselte auch die Feuerwehr in die neu erbaute Wache an der St.Töniser Str. und es verblieb nur noch ein unattraktiver Parkplatz sowie ein Stadtteil-Rathaus. 

Skulptur "Wasser. Welle. Willich."

Im Rahmen eines Gestaltungswettbewerbs wurde die Entscheidung getroffen, wieder mehr Platz für die Menschen und auch Aussengastronomie zu schaffen. So wurde der Platz zweigeteilt, die Anzahl der Parkplätze halbiert und eine große Fläche für Fußgänger freigehalten. Diese Fläche wurde mit der dominierenden Skulptur "Wasser. Welle. Willich." von Ubbo Enninga, einem Brunnen mit Wasserlauf sowie neue Lampen und Bänken umgestaltet.

Wekeln und die Fußgängerbrücke

Wekelner Brücke von der Schiefbahner Straße aus gesehen
Wekelner Brücke von der Schiefbahner Straße aus gesehen

Die gelb leuchtende Brücke, die bereits jetzt ein Wahrzeichen der Stadt ist, wurde 2002 innerhalb von rund 6 Monaten erbaut und verbindet den Sport- und Freizeitpark mit Wekeln. Die Brücke ist 56m lang, 3,8m breit und wiegt insgesamt 95 Tonnen.

Ansicht aus Wekeln auf die Brücke
Ansicht aus Wekeln auf die Brücke

Wekeln wurde als neues Wohngebiet zwischen 1998 und ca. 2008 auf einer Fläche von 88 ha und in 8 Bauphasen gebaut. Der neue Stadtteil soll Heimat für bis zu 6.000 Willicher werden. Die familienfreundliche Bebauung mit viel Natur und einer guten Infrastruktur wurde schnell angenommen. Die Einwohnerzahl von Willich erhöhte sich u.a. dadurch von 1996 ca. 41 Tsd. auf 52 Tst. am Ende der Bauarbeiten.

Brücke zwischen Wekeln und Alt-Willich
Brücke zwischen Wekeln und Alt-Willich

Münchheide und Stahlwerk Becker

Münchheide

Kreisverkehr zwischen den Gewerbegebieten Münchheide 1 + 2
Kreisverkehr zwischen den Gewerbegebieten Münchheide 1 + 2

Ende der 1970er Jahre wurde mit dem Gewerbegebiet Münchheide ein Umfeld für mittelständische Unternemen geschaffen, was sich zu einer Erfolgsgeschichte für die Stadt entwickelte. Mittlerweile wurden vier weitere Gewerbegebiete in direkter Nachbarschaft eröffnet (Münchheide 2-4 sowie Stahlwerk Becker) so daß mit über 180ha eines der größten zusammenhängenden Gewerbegebiet in Europa entstanden ist. Die gute Infrastruktur mit den zwei angrenzenden Autobahnen A44+A52 sowie die nähe zum Düsseldorfer Flughafen zieht mittlerweile auch große Unternehmen an.  500 Firmen aus 20 Ländern schaffen hier Arbeitsplätze.

Stahlwerk Becker

Wasserachse
Wasserachse

Der Gewerbepark Stahlwerk Becker entstand um das Jahr 1917 und wurde damals als Stahlwerk genutzt. Nach dem Krieg diente das Gelände als Kaserne der Britischen Rheinarmee. 

 

Seit ungefähr 2000 wird das Gelände als Ergänzung zur Münchheide als etwas exklusivere Gewerbefläche vermarktet und wurde durch eine Mischung von moderner Architektur (Wasserachse) und alter Bausubstanz (insbesondere Wasserturm, Halle 4+18) schnell angenommen.


Gründerzentrum Willich im Stahlwerk Becker

Gründerzentrum
Gründerzentrum

Bei Nacht

Lamellenhaus Stahlwerk Becker

Lamellenhaus
Lamellenhaus

Wasserturm Fellerhöfe

Panorama / Wasserturm Fellerhöfe der Stadtwerke Willich
Panorama / Wasserturm Fellerhöfe der Stadtwerke Willich

Der 1928 erbaute Wasserturm Fellerhöfe ist 42 Meter hoch und 8,75 Meter breit und in der flachen, landwirtschaftlich genutzten Fläche schon von weiter Entfernung aus sichtbar. Es befindet sich noch ein Wassertank von ca. 400 Kubikmeter sowie die Technik aus den 1950er Jahren im denkmalgeschützten Gebäude auf dem Gelände der Stadtwerke Willich.


Die Sage der Sekes-Männekes und der Kruse Boom

Und auch etwas Aberglauben ist in Willich zu finden. Wer kennt nicht die kleine Sage von den wilden Kobolden, dem Bauern vom Teufelshof und warum es dann das Siechenkreuz am Kruse Boom gibt:

"In der Bauernschaft Hardy sollen einst kleine Erdmännchen ihr Unheil getrieben haben - die Seles-Männekes. Sie schliefen tagsüber in Erdlöchern und spielten nachts den Menschen böse Streiche. Eines Tages brachten die Kobolde den Bauern vom Teufelshof um, weil der nach ihnen gegraben hatte. In ihrer Todesangst machte die Witwe der Kirche reiche Schenkungen. So richtete sich der Zorn der Kobolde nun gegen die Kirche: Eines Nachts zogen sie mit einem Seil den Kirchturm schief. Daraufhin riefen die Willicher ihren Schutzpatron Sankt Pankratius um Hilfe an. Der erschien dem Pfarrer und sagte ihm, er solle am Kruse Boom eine Grube schaufeln. In dieser Grube wurden die Sekes-Männekes verbannt und wurden seitdem nie wieder gesehen. Zur Erinnerung an die Kobolde wurde ein Kreuz aufgestellt, das noch heute am Kruse Boom steht."

Sport- & Freizeitzentrum / Schwimmbad de Bütt / Jakob-Frantzen-Halle

Schwimmbad De Bütt
Schwimmbad De Bütt
Jakob-Frantzen-Halle
Jakob-Frantzen-Halle

Das sportliche Zentrum in der Stadt Willich: Das überregional bekannte Freizeitbad de Bütt und das Sport- und Freizeitzentrum am Ortsrand. Auch der angrenzende Park ist immer einen Besuch wert. Am Parkende verbindet die neue Brücke den Stadtteil Wekeln mit Alt-Willich.

Rhein-Maas-Berufskolleg

Eingangsbereich des Rhein-Maas-Berufskolleg
Eingangsbereich des Rhein-Maas-Berufskolleg

Am Standort Willich des Rhein-Maas-Berufskollegs finden insbesondere die Ausbildungsgänge in den "grünen Branchen", der Wirtschaft und Verwaltung statt. Die Schule befindet sich in Trägerschaft des Kreises Viersen und wurde 2011 renoviert und modernisiert.

Exkurs: Braukunst in Willich

Die wohl bekannteste Marke aus ehemals Willich: Hannen Alt
Die wohl bekannteste Marke aus ehemals Willich: Hannen Alt

Die Willicher haben einen besonderen Bezug zum Bier, was man im Ortsbild auch des Öfteren sieht. Bereits 1315 erteilte die damalige Herrin, Gräfin Margareta von Kleve den Willicher die Brauerlaubnis.

Brauer der Hannen Brauerei
Brauer der Hannen Brauerei

In Willich war sicherlich ab Mitte des 20. Jahrhunderts das Hannen-Alt der bekannteste Gerstensaft. Die prägende "Hannen-Faust" war lange Zeit auch in Europa oft zu sehen. Vorgänger war 1917 die Fusion von drei kleinen Willicher Brauereien die drei Jahre später die damals in Korschenbroich ansässige Hannen-Brauerei hinzunahmen. Aus den "Vereinigten Willicher Brauereien und Hannen Korschenbroich GmbH" wurde dann die Hannen-Brauerei. 1969 zog diese aufgrund hoher Grundstückspreise in das benachbarte Mönchengladbach-Neuwerk in einen Neubau, was für Willich sehr schmerzhaft war. Mehr als die Hälfte aller Gewerbesteuereinnahmen stammte damals von der Brauerei. 1984 wurde der Braubetrieb eingestellt. Mittlerweile wird das Alt wieder von der Carlsberg-Gruppe gebraut.

In Schiefbahn gab es das Brauhaus Stammen-Tillmanns, daß bis 1918 braute und in Anrath existiert noch immer und mittlerweile seit über 100 Jahren die Brauerei Schmitz-Mönk. Diese ist heute die einzige verbliebene Brauerei in der Stadt. Bemerkenswert ist die bis Anfang des 1. Weltkrieges existierende Borussia-Brauerei in Neersen. Ein vergleichsweise riesiges Gebäude zog sich dafür durch den Ortskern. Die Brauerei existierte aber nur wenige Jahrzehnte. Der Name bezog sich übrigens nicht auf den Fußballverein in der Nachbarstadt, sondern nahm Bezug auf Preußen.

Übrigens war nicht nur das Bier sehr gefragt bei den Niederrheinern. Alleine rund 60 Schnapsbrennereien gab es in der Stadt im 19. Jahrhundert.

Quelle: Ausstellung im Schloss Neersen "Von der Hannen-Faust und gehörnten Löwen", 2013